Field Notes (MSD)

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(Design) Principles
Kommunikation zwischen Verstehen und Verständigung | In Hochschulen gehen und verändern wollen | Hochschulen zwischen Erforschung und Gestaltung

People
Nina Grünberger | Klaus Himpsl-Gutermann | Ilka Götz | Ivo van den Berk | Claudia Kuttner | Simon Smend | Tobias Hübner | Yannic Steffens | Falk Itzerodt | 3 Fragen 3 Antworten

Material
Content Buffet | Anleitung zum Kommentieren

Universität zu Köln[Bearbeiten]

Den großen Tanker in Richtung Offenheit und Kooperation manövrieren?[Bearbeiten]

Mit der Hochschullehre ist es wohl so wie mit der Schule und dem Lehrer*innen-Dasein: Jede*r, der mal Student*in war, meint ganz intuitiv zu wissen wie gute Lehre von Professor*innen auszusehen hat - ebenso wie die meisten Schulabgänger*innen vermutlich eine klare Meinung davon haben, wie guter Unterricht von Lehrer*innen gestaltet werden muss. Und so stellt sich am Ende bei vielen vermutlich dieselbe Frage: Warum gibt es dann noch so viele schlechte und langweilige Vorlesungen in deutschen Hochschulen?

Eine weitere Frage, die sich wohl einigen Studierenden ebenfalls stellt: Warum wird so wenig von den digitalen Möglichkeiten Gebrauch gemacht, die nun seit mehr als 10 Jahren allgegenwärtig verfügbar sind? Lehrende sind als Forschende doch stets am Zahn der Zeit tätig, suchen nach den neuesten Erkenntnisse und wagen neuartige Experimente oder Methoden, immer ruhelos, immer „on the bleeding edge“? Wären Lehrende somit nicht die idealen Treiber für digitale Methoden und Konzepte in der Hochschule?

Erst wer hinter die Kulissen der Lehre an deutschen Hochschulen schaut, dem wird bewusst wie komplex die Situation in der Lehre mit dem System Wissenschaft verknüpft ist: Reputationsziele, Zeitdruck, wissenschaftlicher Habitus, Förderung- und Finanzierungsbemühungen für die Forschung sowie immer mehr und heterogenere Studierendenkohorten, welche sich mit ganz eigenen Erwartungshorizonten an den höchsten Bildungseinrichtungen des Landes immatrikulieren lassen.

Lehrende als Treiber der Digitalisierung der Lehre? (Aspekt Zeitmangel)


Was viel schwerer wiegt ist der Umstand, dass gute Lehre einen sehr geringen Beitrag zur wissenschaftlichen Karriere leistet. Gute Lehre wird bisher kaum belohnt bzw. berücksichtigt, bspw. bei Neueinstellungen von Professor*innen. In den informellen Gesprächen der OERlabs Veranstaltungen werden unterschiedliche Vorstellungen über die Beschaffenheit universitärer Lehre vorgebracht, beispielsweise die sich unterscheidenden Sichtweisen Studierender und der Öffentlichkeit auf Hochschullehrende (z.B. ein Stundenplan mit Vorlesungen in einem Audimax).

Kooperation als Potenzial des digitalen Wandels?[Bearbeiten]

Und doch trifft man immer wieder - auch an der Universität zu Köln - auf motivierte Lehrende und Hochschulmitarbeiter*innen, denen die universitäre Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden am Herzen liegt und welche sich für eine gute Lehre einsetzen. Mit Blick auf die neuen oder veränderten Möglichkeiten, welche digitale Technologien mit sich bringen, stellt sich die Frage ob und wie diese einen Beitrag zur Förderung guter Lehre leisten können. Die Buzzwort-Dichte ist hierbei inzwischen enorm, welche sich rund um das Wort „digital“ gebildet hat: Ob Digitalisierung, Digitale Transformation, Bildung 4.0 oder Humboldt 4.0 – sich durch die Deutungen, Hoffnungen, Dystopien sowie durch den Dschungel möglicher Konsequenzen und Handlungsoptionen zu manövrieren erscheint komplexer denn je für den oder die Einzelne.

Ein Aspekt aus den Debatten wurde für das OERlabs-Projekt hierbei explizit herausgegriffen: Die Kooperation. So heißt es im Projektuntertitel „(Lehramts-)Studierende gemeinsam für OER ausbilden“. Gerade die digitalen Technologien erlauben nun eine Vielzahl neuer Möglichkeiten wie Inhalte (Texte, Videos, große Datensätze, etc.) ausgetauscht als auch Kommunikation zwischen Menschen gestaltet werden kann, wenngleich die reine Existenz oder die Nutzung der neuen Möglichkeiten keinesfalls automatisch die Qualität der Lehre oder des Unterrichts verbessert. Es stellen sich vielmehr sehr tiefgreifende Fragen, z.B. wie der Austausch von Material, der Einsatz von Medien sowie die Kommunikation in der Lehre nun gewinnbringend und qualitativ hochwertig gestaltet werden kann. Eine Variante der Kooperation zwischen Lehrkräften sind Open Educational Resources.

Warum Medien in der Lehre und im Unterricht?[Bearbeiten]

„Halt, Moment!“ - werden jetzt sicher einige berechtigterweise einwenden - „wieso müssen Medien überhaupt für eine gute Lehre eingesetzt werden? Und was ist überhaupt gute Lehre?“ Das Projektvorhaben der OERlabs knüpft an die Diskussion in der Lehrer*innen(aus-)bildung an, dass in Lehramtsstudiengängen nur wenig medienbezogene Studienanteile vorgesehen sind und sich aktuelle und künftige Lehrer*innen folglich nur interessensgeleitet oder zufällig mit Medien und Medienwandel auseinandersetzen. So ist es bspw. möglich, einen bildungswissenschaftlichen Studiengang an der UzK zu studieren, ohne ein Seminar mit Medienbezug zu besuchen. Nehmen Studierende an der Einführungsvorlesung in die Mediendidaktik (Jun.-Prof. Dr. Sandra Hofhues) teil, heißt es seitens der Lehramtsstudierenden über die forschungsorientierte Blended Learning-Veranstaltung in der Zwischenevaluation des Wintersemesters 2015/2016: „Frau Hofhues, Ihre Vorlesung ist einfach zu modern.“ Diese Aussage illustriert sehr treffend den „Teufelskreis fehlender Medienbildung“: Das Projekt folgt hierbei der normativen Annahme, dass es der Förderung und Vermittlung von Medienbildung bzw. Medienkompetenz bedarf, sodass Schüler*innen als auch Studierende selbstbestimmt an der Gesellschaft und mediatisierten Welt teilhaben können.

Lehre und Unterricht gemeinsam betrachten[Bearbeiten]

Who wants to change (CC-BY- 2.0)

Mit Blick auf den Teufelskreis fehlender Medienbildung war es aus Projektperspektive unausweichlich, das Thema „gute Lehre“ priorisiert zu behandeln, statt nur über „guten Unterricht“ als finales Ziel in der Ferne an Schulen zu diskutieren. Wie also umgehen mit den Problemstellungen? Kann Kooperation ein nachhaltiger Weg sein, um gute Lehre – und somit perspektivisch – guten Unterricht zu ermöglichen und die sich stellenden Herausforderungen zu bewältigen? Hierzu gibt es zwei beliebte Sprüche. Der erste lautet „Lehrende teilen untereinander eher die Zahnbürste als ihr Vorlesungsskript“. Kooperation bei der Lehrvorbereitung oder Durchführung ist also keineswegs Standard an deutschen Hochschulen, hier galt es spezielle Problemstellungen und Herausforderungen im Projekt zu adressieren bzw. zu explorieren. Allen voran ist hier der Aspekt „Haltung“ zu Kooperation des Einzelnen, aber auch der Organisation von entscheidender Bedeutung. Unser Handeln im Projekt folgte hierbei der Annahme, dass Haltungen von Mitarbeiter*innen gegenüber bestimmten Themen oder Praktiken nur sehr schwer zu verändern sind.

Entscheidung zur Dialogmethode des "Multi-Stakeholder Dialogs": Abgrenzung von Gremien bzw. Arbeitsgruppen[Bearbeiten]

Der zweite Spruch ist etwas allgemeiner, dürfte dennoch auch an deutschen Hochschulen öfter eine bittersüße Wahrheit darstellen: „Wenn du nicht mehr weiter weißt, bilde einen Arbeitskreis“. In den ersten Gesprächen nach Beginn der Projektlaufzeit gab es für das Team an der Universität zu Köln stets die Vorgabe, sich möglichst von Gremienstrukturen oder Arbeitsgruppen an der Universität zu Köln abzugrenzen. Gremien und Arbeitsgruppen zu diversen Themen sind bereits vielfach vorhanden an der UzK, die nachhaltige Wirkung sowie die Outcomes können an dieser Stelle nicht beurteilt werden. Uns ging es als Projektteam aber um den entscheidenden Aspekt, dass in Gremien oder AGs primär die Perspektive des Instituts bzw. der jeweiligen Organisationseinheit von den anwesenden Personen vertreten wird, d.h. es geht eben auch um Ressourcenfragen (und somit um harte Fragen der Finanzierung und Mitarbeiter*innenauslastung).

Selbst wenn alle anwesenden Personen eines Gremiums also dem Thema OER aufgeschlossen gegenüber stehen, kann es kurzfristig an den aktuellen Ressourcenverteilungen und Prioritätssetzungen scheitern. Um solche Fälle zu umgehen, wurde mit dem Ansatz des „Multi-Stakeholder Dialogs“ ein Format gewählt, welches neben der Insitutsperspektiven den Fokus darauf legt, Menschen über und mit ihren individuellen Haltungen und Erfahrungen in den offenen Austausch zu bestimmten Themen zu bringen. Erst anschließend sollten mögliche Ergebnisse und Perspektiven wieder in die Gremienstruktur der Universität zurückgeführt werden.

Der Dialog sollte auch nicht auf das Erstellen, Teilen und Remixen OER-Material beschränkt werden, sondern ein breites Bild von OER darstellen sowie Fragen nach „Offenen Praktiken“ und Haltungen an der UzK stellen. Das formulierte Projektziel war die Förderung und Ermöglichung „einer nachhaltigen Veränderung der Lehr- und Handlungspraxen“.

Unsere Hoffnung war es, Menschen statt Rollen in den Dialog zu bringen. Als Vorbild diente uns auch des öfteren die Erfahrung, dass interessante Gespräche auch während Kaffeepausen auf den Fluren von Universitäten ganz ungeplant stattfinden, in den offenen Zwischenräumen des durchgetakten Berufslebens also.

Konzeption des Multi-Stakeholder Dialogs an der UzK[Bearbeiten]

Ab Mitte April 2018 wurde das Konzept für den Multi-Stakeholder Dialog ausgearbeitet, u.a. wurde eine Analyse der Stakeholder durchgeführt, ein Kommunikationskonzept entwickelt sowie das pädagogisch-methodische Konzept für einen Dialogprozess diskutiert. Flankiert wurden die Konzeptionsarbeiten mit dem Berufsfeldpraktika-Seminaren am Zentrum für LehrerInnenbildung, welche bereits ab dem Sommersemester 2017 stattfanden. Die offene Einbindung der Studierenden wurde hierbei immer wieder als wichtiges, wenngleich schwer zu realisierendes Ziel diskutiert.

OERLabs Überblick

Das Thema „Open Educational Resources“ im Lehramtsstudium diente hierbei als exemplarischer Aufhänger, um über Kooperation, Offenheit und offene Praktiken in den Austausch zu gelangen. Das Lehramt eignet sich hierbei in Bezug auf Kooperationsgedanken besonders, da in den unterschiedlichen Phasen der Lehramtsausbildung die Hochschullehre unterschiedlich starke bzw. geringe Einflüsse hat.

Im Herbst wurde so das Konzept „OER meets gute Lehre – Multi-Stakeholder Dialog (MSD) an der Universität zu Köln“ mit einer Laufzeit vom 14. Dezember 2017 – 5. Juli 2018 finalisiert. Für die eingeladenen Teilnehmer*innen wurden vier Kerntermine vorgegeben sowie zwei offene Labtermine als auch zwei virtuelle Phasen.

Technische Universität Kaiserslautern[Bearbeiten]

Das Setting an der TUK[Bearbeiten]

Um die Konzeption der Multi-Stakeholder Dialoge an der TUK zu verstehen, ist es notwendig, nochmals die Situation an der TUK zu Projektbeginn kurz nachzuzeichnen (vgl. Kapitel Getting in): Wie in der Organisationsbeschreibung zusammengefasst, hat die Auseinandersetzung mit OER an der Hochschule bis zum Start des Projekts auf Ebene der Organisation und über die interessierten Mitarbeitenden hinaus kaum stattgefunden. Dies hatte zur Folge, dass der Begriff in Gesprächen mit Personen, die nicht im Feld E-Learning oder Hochschuldidaktik aktiv waren, erklärt werden musste. Hierzu nutzt das Projekt auch Maßnahmen, die an der TUK bereits vorgesehen waren, beispielsweise die Veranstaltungen von LehrePlus (vgl. Getting In TUK). Ein Lessons Learned dieser konkreten Veranstaltung ist es dann beispielsweise, dass wir an der TU unterschiedliche Geschwindigkeiten wahrnehmen: Während einzelne Akteur*innen OER bereits auf der Agenda haben, befürchten andere gar den Verlust ihrer Reputation und ihres „Unique selling point“ durch OER – eine Sichtweise, die stark auch in der naturwissenschaftlich bzw. ingenieurwissenschaftlichen Prägung der TU als Hochschule liegen könnte (vgl. zu Disziplinen- und Hochschulkultur z.B. Huber et al., 1983[1]; Huber, 1990[2]; Becher & Trowler, 2001[3]): So sind viele Lehrveranstaltungen insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften im Bachelor davon geprägt, dass sich Grundlagenwissen nicht groß verändert und an verschiedenen Hochschulen ähnlich angeboten wird (man denke nur an die vielen Einführungsveranstaltungen in Biologie, Mathematik oder Chemie). Auch individuelle Schwerpunktsetzungen, wie es in sozial- oder geisteswissenschaftlichen Fächern eher Usus ist, sind in diesen Veranstaltungen wenig bis kaum möglich. Während Befürworter von OER genau dies als genuinen Punkt sehen, OER zu nutzen, sind andere Dozierende skeptisch(er): Sie haben Angst davor, dass sie dadurch in Rechtfertigungsdruck geraten oder nicht mehr benötigt werden. Hinzu kommt aus Perspektive der Lehrer*innenbildung, dass das Thema der OER innerhalb der zentralen Einrichtungen wie dem Zentrum für Lehrerbildung zwar gesehen wird, bisher aber kaum in der universitären Praxis wirklich sichtbar wird.

Die TUK zeichnet sich darüber hinaus dadurch aus, dass sich insbesondere die am Projekt beteiligten Stakeholder untereinander – auch aufgrund der kurzen Wege an der TUK – schon vor Projektbeginn kennen, da sie in unterschiedlichen Gremien und Projekten schon zusammengearbeitet haben oder qua Organisation der Hochschule miteinander verbunden sind: So bestehen enge Kontakte zwischen dem Lehrstuhl Pädagogik, dem Referat für Studium und Lehre, dem Zentrum für Lehrerbildung, dem eTeaching Service Center sowie der Hochschulbibliothek.

Und als letzten Punkt muss die Konzeption eines Multistakeholder-Dialogs auch die Besonderheit der Lehrerbildung aufnehmen. Ziel des Projekts OERlabs war es, insbesondere Lehramtsstudierende für OER zu sensibilisieren und damit in der Lehrer*innenbildung zu wirken. Maßnahmen in der Lehrer*innenbildung sind aber strukturell komplex: Lehrer*innenbildung als berufsbiographisches Entwicklungsprojekt (Terhart, 1992[4]) findet an den Hochschulen im Querschnitt zwischen Fächern, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften statt und zieht sich über drei unterschiedliche und oft nicht oder nur rudimentär vernetzte Phasen der Professionalisierung: Studium, Referendariat und Berufspraxis mit Fort- und Weiterbildung. Beteiligt sind an diesem Prozess nicht nur Hochschulen, Studienseminare und Fortbildungseinrichtungen, sondern auch Ministerien und Landesinstitute.

Um die Akteur*innen nun unter der Perspektive der OER miteinander ins Gespräch zu bringen, wird innerhalb des Projekts ein OER-Stammtisch etabliert, der bewusst in der Namensgebung auf das Informelle des Zusammenkommens hinweist. Er zielt darauf, einen Raum zu schaffen, so dass sowohl die Erfahrungen aus den weiteren Projekten zum Thema OER (OER@RLP, aber auch Teilprojekte des Projekts UEDU der Qualitätsoffensive Lehrerbildung) als auch aus den Institutionen (Bibliothek, eTeaching Service Center) regelmäßig zusammenlaufen. Die Teilnehmenden dieses Stammtisches zeichnen sich auch für die Ideengebung der Multistakeholder-Dialoge verantwortlich, ergänzt durch den Vizepräsidenten für Studium und Lehre. Die Idee war, dass man an konkreten Themen und Projekten arbeitet und eher darüber nachdenkt, wie die verschiedenen Zielgruppen unter einem OER-Dach zusammengebracht werden können. Die inneruniversitäre Perspektive des Stammtisches wird durch die MSDs aufgebrochen und erweitert, da die MSDs für weitere Stakeholder an der TUK offen stehen, Stakeholder außerhalb der TUK ansprechen und deren spezifische Perspektiven aufnehmen und integrierten.

Daher wurde die Entscheidung getroffen, die Multi-Stakeholder-Dialoge[5] (an der TUK Runde Tische genannt) thematisch gebunden umzusetzen. Jeder Runde Tisch hatte ein Rahmenthema, unter dem sowohl dieselben Personen (eine Kerngruppe, die das Thema OER an der TU weiter vorantreibt) als auch neue Personen zusammengekommen sind. Ziel der Veranstaltungen war es unter anderem, dass sich zum einen eine universitätsinterne „Kerngruppe“ etabliert, die sich über das Projekt hinaus mit bedarfsorientierten OER-Fragestellungen beschäftigt und zum anderen Vernetzungen dieser Gruppe mit weiteren Akteure stattfinden können, die für den Projektverlauf und den Schwerpunkt Lehrer*innenbildung relevant sind. Die Arbeit an einem Rahmenthema, so die Hoffnung, macht es leicht(er), an konkreten Beispielen zu arbeiten, auch an konkreten Materialien und Zielgruppenansprachen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Lehrer*innenbildung, so dass dieses auch die verbindende Klammer zwischen den MSDs war. Im Fokus stand die Frage, Wie OER in der Lehrer*innenbildung aussehen könnte? Während am ersten Runden Tisch OER an der Hochschule im Fokus standen, wurde der zweite Runde Tisch explizit zum Thema OER in der Lehrer*innenbildung geplant und der dritte Tisch zum Thema OER in der Region. Durch diese Erweiterung des Radius kamen an den jeweiligen Runden Tische unterschiedliche Akteur*innen miteinander ins Gespräch (beim Runden Tisch der Hochschule zum Beispiel weitere Hochschulleitungen, beim Runden Tisch zur Lehrer*innenbildung zum Beispiel Vertreter*innen der weiteren Phasen der Lehrer*innenbildung).

Die einzelnen Thementische folgen einem ähnlichen Aufbau: Nach einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten für Studium und Lehre Dr. Löhrke gibt es einen thematischen Input, danach eine Austausch- und Arbeitsphase für die Teilnehmer*innen. Auf beschreibbaren Tischdecken sollten insbesondere Notizen für alle sichtbar gemacht und damit Spuren der Teilnehmer*innen erzeugt werden. Diese werden dann digitalisiert und dienen der Identifikation der Teilnehmer*innen in der Dokumentation. Die Arbeitsergebnisse wurden gesammelt (vgl. Konzeptionsbeitrag) und im Nachgang zusammengefasst und als Dokumentation allen Teilnehmer*innen per Mail zugänglich gemacht. In Verbindung mit den OERlabs sind die Mulitstakeholder-Dialoge an der TUK ein Ensemble aus verschiedenen Perspektiven: Zum einen (hochschul-)politische Veranstaltungen, die aber zum anderen gleichzeitig auch darauf zielen, Anregungen zur weiteren Auseinandersetzung zu stiften und damit ein eher alternatives Format von Weiterbildung zu sein. Die Multistakeholder-Dialoge in Kaiserslautern werden gerahmt von den freiwilligen OERlab-Terminen für Studierende und andere Interessent*innen, die von den Tutor*innen veranstaltet werden und den regelmäßigen OER-Stammtischen für Kooperationspartner*innen, in denen Perspektiven und Fragestellungen aus den Runden Tischen vertieft wurden. Damit sollte idealerweise die Verbindung zwischen den anderen Elementen der OERlabs gezogen werden; gleichzeitig sollte Studierenden auch an den Runden Tischen „eine Stimme gegeben werden“ bzw. diese mit in die Diskussion um OER einbezogen werden.

Relevant war in Kaiserslautern, innerhalb der jeweiligen thematischen Schwerpunkte neben dem gegenseitigen Kennenlernen, insbesondere partizipative Sense-Making Prozesse (Calton & Payne, 2016[6]) zu OER und einer damit verbunden offenen Bildungspraxis unter den Beteiligten anzustoßen: Dadurch, dass die Erfahrungen mit OER unterschiedlich waren, ging es darum, das Phänomen OER zum einen für sich zu erfassen, zum anderen aber auch zu fragen, welche Perspektive OER für das aktuelle Arbeitsfeld bieten kann. Allen Runden Tischen ist somit gemein, dass sie Hochschulentwicklungsstrategien ebenso wie Fragen der Gestaltung von Lehrer*innenbildung unter der OER-Perspektive in den Blick nehmen. Durch das immer wieder Thematisieren von OER unter jeweils leicht veränderten Perspektiven (Hochschule, Lehrer*innenbildung und Region) wird es den Teilnehmer*innen möglich, je nach Interesse nur einen Schwerpunkt zu setzen oder aber prozessual sich ein Semester lang mit Akteur*innen auszutauschen. Durch die unterschiedlichen Teilnehmer*innen wird Openess nicht nur thematisiert, sondern auch als Element der Gestaltung aufgenommen. Wichtig ist es, dass das Thema OER im Multistakeholder-Dialog geöffnet wird und das „Mehr“ gegenüber Lizenzdiskussionen sichtbar wird. Insbesondere im Runden Tisch zur Lehrerbildung wurden daher die Problemfelder der Stakeholder eingebracht, während am ersten Runden Tisch eher Themen wie Open Access und Forschungs-, aber auch Bibliotheksfragen adressiert werden. Damit setzen die MSD an den jeweiligen Interessen und Problemlagen der Akteur*innen an. Im Idealfall vermischen sich Dialog und Weiterbildung und es wird ein alternativer Raum geschaffen, in dem Communities of Practice (Lave & Wenger, 1998[7]) entstehen können.

Multistakeholder-Dialoge dienen an der TUK zusammenfassend dazu, die relevanten Personen rund um das Thema OER und Lehrer*innenbildung miteinander kontinuierlich in Kontakt zu bringen. Dazu werden die Multistakeholder-Dialoge zum einen thematisch gerahmt, zum anderen mit weiteren Veranstaltungen (siehe OpenLabs) verbunden. So ist es möglich, sowohl das Thema OER aus mehreren Perspektiven zu durchdringen als auch institutionelles Wissen auszutauschen sowie Lösungen und einschlägige bewährte Verfahren zu finden. An den Multistakeholder-Dialogen wird das Thema OER somit Türöffner für verschiedene Diskussionen: es kann in der thematischen Breite als Gesprächsanlass über die Gestaltung von Lehre und Hochschulstrategien (Jäckel, 2015[8]), über die Frage nach angemessener Medienbildung in der Lehrer*innenbildung, als Anlass für Schulentwicklung aber auch als Möglichkeit von Civic Engagement (Pilch et al., 2010[9]) gesehen werden.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Huber, L., Liebau, E., Portele, G. & Schütte, W. (1983). Fachcode und studentische Kultur: zur Erforschung der Habitusausbildung in der Hochschule. In E. Becker (Hrsg.), Reflexionsprobleme der Hochschulforschung. Weinheim: Beltz, S. 144–170.
  2. Huber, L. (1990). Fachkulturen: Über die Mühen der Verständigung zwischen den Disziplinen. In K. Ermert (Hrsg.), Loccumer Protokolle ; 1990,14. Humboldt, High-Tech und High-Culture: was heisst "Hochschulkultur" heute? (S. 68-99). Rehburg-Loccum: Evang. Akad. Loccum.
  3. Becher, T. & Trowler, P. (2001). Academic Tribes and Territories: Intellectual Enquiry and the Culture of Disciplines. Philadelphia: Open University Press.
  4. Terhart, E. (1992). Lehrerberuf und Professionalität. In Dewe, B., Ferchhoff, W. & Radtke, F.-O. (Hrsg.). Erziehen als Profession – Zur Logik professionellen Handelns in pädagogischen Feldern (S. 103 – 131). Wiesbaden: Springer
  5. „Ein Multi-Stakeholder-Dialog (MSD) zielt darauf ab, relevante Stakeholder oder diejenigen, die an einem bestimmten Thema oder einer Entscheidung beteiligt sind, miteinander in Kontakt zu bringen. Das Hauptziel besteht darin, das Vertrauen zwischen den verschiedenen Akteuren zu stärken, Informationen und institutionelles Wissen auszutauschen und Lösungen und einschlägige bewährte Verfahren zu entwickeln. Der Prozess ist der Ansicht, dass alle Beteiligten über relevante Erfahrungen, Kenntnisse und Informationen verfügen, die letztendlich die Qualität des Entscheidungsprozesses und der daraus resultierenden Maßnahmen beeinflussen und verbessern werden. Mit genügend Zeit, Ressourcen und Vorbereitung kann ein Multi-Stakeholder-Dialog (MSD ein sehr wirksames Instrument sein, um verschiedene Akteure zusammenzubringen, um einen Konsens über komplexe, vielschichtige und in einigen Fällen auch spaltende Fragen zu erzielen.“ Dodds, F. & Benson, E. (o.J.). Multi-Stakeholder Dialogue. https://www.civicus.org/documents/toolkits/PGX_D_Multistakeholder%20Dialogue.pdf
  6. Calton, J. M., & Payne, S. L. (2016). Coping With Paradox. Business & Society, 42(1), 7-42.
  7. Lave, J., & Wenger, E. (1998). Communities of practice: Learning, meaning, and identity. Cambridge University Press.
  8. Jäckel, M. (2015). Wie eine Bildungshitparade. In duz – Deutsche Universitätszeitung, 02/2015
  9. Pilch Ortega, A., Felbinger, A., Mikula, R., & Egger, R. (Hrsg.). (2010). Macht – Eigensinn – Engagement. Lernprozesse gesellschaftlicher Teilhabe. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaft.